Mittwoch, 5. September 2012

Tom Rachman: Die Unperfekten

Auf diesen Roman bin ich durch einen anderen Buchblog gestoßen. Das Thema ist für mich persönlich ein sehr Spannendes, da es sich um Printmedien dreht und den Aufstieg und Fall einer fiktiven Zeitung erzählt, die letztlich den Anschluss hinsichtlich der Internet-Präsenz verpasst und dadurch schlichtweg untergeht.

Klar strukturiert wurde dieses Buch vom Autor, dass es einfach Spaß macht, abzutauchen. Man ist mittendrin in der Zeitungsproduktion und durchlebt die Anfänge derselben in den 1950er Jahren und das beständige Treiben in der Redaktion. Jedes Kapitel handelt von einem Mitarbeiter der Zeitung und bekommt als Abschluss einen Auszug aus der Zeitungschronik. Ein elegante Mischung, wie ich finde.

Freitag, 10. August 2012

George R.R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer (Teil 5 & 6)


Also nun die Teile 5 und 6 „Sturm der Schwerter“ und „Die Königin der Drachen“ oder wie ich sie nennen würde: 4 Hochzeiten und deutlich mehr Todesfälle. George R.R. Martin macht die Wundertüte ganz weit auf und räumt dabei gleich einmal mit dem ausgeuferten Personal auf (was natürlich nicht heißt, das am Ende nicht noch mehr als genügend davon übrig bliebe). Eine mäandernde Fortsetzung eines großen Epos über alles was menschlich und wölfisch ist…   



Donnerstag, 2. August 2012

Horst Evers: Für Eile fehlt mir die Zeit

Für alle, die sich gerade wieder über laute Nachbarn aufgeregt haben, hin und wieder den Sinn oder Unsinn neumoderner Technik kritisch hinterfragen oder einfach nur Fragen zu Gott oder Aliens haben, ist dieses Buch wohl geschrieben worden. Horst Evers hat dies hervorragend bewerkstelligt. Das Buch hilft ungemein, den Alltag nicht zwingend verstehen zu müssen, um glücklich zu sein. Mitunter hilft, einfach darüber zu lachen.

Dienstag, 31. Juli 2012

Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten

Ishiguros Zukunftszenario könnte grausamer und lebensverachtender kaum sein. Durch Forschungen und Weiterentwicklung der Technik ist es der Menschheit gelungen, die schlimmsten Krankheiten wie Krebs zu heilen. Allerdings braucht die Medizin dazu als Ausgangsmaterial komplette Organe von echten Menschen.
Um diese Nachfrage zu stillen, werden existierende Menschen geklont, also identische Replikate von ihnen hergestellt. Die Klone werden in speziellen Heimen versorgt bis sie ausgewachsen sind und anschließend ausgeweidet. Dies bedeutet den Tod für jeden Klon.
Mit Fug und Recht hätte Ishiguro die menschlichen Ersatzteillager auf die Barrikaden gehen, sie wahnsinnig werden lassen oder ihnen Racheglüste in die Köpfe pflanzen können. Doch er machte etwas ganz anderes - nämlich den menschlichsten und friedlichsten Roman, den man sich vorstellen kann.

Samstag, 28. Juli 2012

Philip K. Dick: Nach der Bombe

Stellen Sie sich vor, die Welt geht unter und die Menschheit hat keine Lust, ausgerottet zu werden. Was dann passieren könnte, darüber lesen Sie besser in einem anderen Buch.
Wenn Sie allerdings ein optimistisches Portrait des Menschen vor und nach dem Krieg erfahren wollen - auch wenn die Handlung nicht hundertprozentig realitätstauglich ist - könnte “Nach der Bombe” etwas für Sie sein.

Montag, 23. Juli 2012

Terry Pratchett: Die dunkle Seite der Sonne

Der junge Dom Sabalos steht kurz vor seiner Ernennung zum Vorsitzenden des Verkehrtherum - Direktoriums. An sich ist dies ist eine große Ehre die mit entsprechender Feierlichkeit nebst Kostüm und goldener Perücke einhergeht, jedoch hat man mit Mitte zwanzig auch noch einige andere Dinge im Kopf. Nein, nicht Frauen und Alkohol………Sondern die Suche nach den Jokern.

Sonntag, 15. Juli 2012

Xu Xing: Und alles, was bleibt, ist für dich

Dieses Buch ist durch schieren Zufall auf meinen Lesestapel gelandet. Bei einem kleinen Bummel durch die örtliche Buchhandlung entdeckte ich einen Stand voller angegrabbelter Restposten. Zwischen den vielen weniger attraktiven Quatschbüchern mit Krawalltiteln gab es doch hin und wieder einen ungewöhnlich klingenden Titel mit auffällig unauffälligen Coverbildern. Das Buch von Xu Xing hat mir auf Anhieb gefallen.
Spontankäufe machen total viel Spaß, habe ich wieder einmal festgestellt - und sind durchaus von Erfolg gekrönt, wie ich in diesem Fall verraten darf.

Freitag, 13. Juli 2012

David Foster Wallace: Unendlicher Spaß


Lange habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wie sich dieses Monument an schriftstellerischem Schaffen von David Foster Wallace in die kurzmöglichste Form fassen lässt. Ich bediene mich hierfür der Zusammenfassung des Übersetzers Ulrich Blumenbach, der dies in einem Satz bewerkstelligte:

Der junge Tennisspieler Hal Incandenza und der Ex-Junky und Ex-Kriminelle Don Gately werden in eine nationale Krise verstrickt in deren Verlauf Kanadische Separatisten und Terroristen versuchen die US-Amerikanische Gesellschaft zu destabilisieren, in dem sie einen Film der tödlich lustvoll oder komisch sein soll, ins Fernsehnetz einspeisen.

Dienstag, 10. Juli 2012

Ian McEwan: Solar

Professor Michael Beard, Leiter des Nationalen Instituts für alternative Energien in London hat mit Ende Zwanzig bereits das erreicht, was andere Forscher noch nicht einmal in einem ganzen Leben schaffen: Er hat den Physik-Nobelpreis erhalten für eine Erweiterung der Einstein-Theorie, die fortan respektvoll als Beard-Einstein-Theorem bezeichnet wird. Doch der Ruhm hat bei dem einst ambitionierten Jungforscher zu einem trägen, selbstzufriedenen Kerl werden lassen. Neue Forschungen betrieb er seither keine mehr. Dafür steigt sein Leibumfang von Jahr zu Jahr. Bereits vier Ehefrauen hat er im Laufe seines Lebens verschlissen und soeben geht die fünfte Ehe mit Patrica in die Brüche. Sie hat davon erfahren, dass Beard sie betrogen hat (wobei sie streng genommen nur ein Elftel der ganzen Wahrheit kennt) und sinnt nun auf Vergeltung: Gleiches mit gleichem.

Samstag, 30. Juni 2012

Dmitri Bilenkin: Der Intelligenztest

(Sammelband mit drei
phantastischen Erzählungen)
Diesmal führte mich Dmitri Bilenkin mit einem Kurzgeschichtenband durch den Kosmos seiner Fantasie.
Ganze 18 kleine Erzählungen rund um Menschen, Außerirdische, Denkbares und Undenkbares, Übernatürliches und über die Zukunft wurden im “Intelligenztest” zusammen gefasst. Die Mehrzahl der Geschichten hat mich ehrlich verblüfft. Sie waren so anders und neu.

Montag, 18. Juni 2012

Benjamin Stein: Replay

Benjamin Stein spielt mit unserer Wahrnehmung, er spielt mit unserem Bedürfnis nach Transparenz, er spielt mit unseren sexuellen Phantasien, er spielt mit unserem Selbstbild und der Frage, in wie weit es vom Bild, das andere von uns haben, abhängt. 

Ein Roman über die technische Entwicklung, über Sucht, über Social Network, über den Terror der Transparenz und ein wenig auch über Religion. 
Mächtige Themen auf 170 Seiten.




Samstag, 16. Juni 2012

H. G. Wells: Die Zeitmaschine

Ein findiger Tüftler hat ein paar bekannte Leute des öffentlichen Lebens zu sich nach Hause eingeladen und demonstriert ihnen ein kleineres Modell seiner Erfindung. Mit dieser Miniatur-Maschine behauptet er, einen Würfel durch die Zeit befördern zu können. Tatsächlich ist einen Knopfdruck später der Würfel fort. Nach dieser Demonstration sind die Geladenen sich ziemlich sicher, dass sie einem billigen Zaubertrick aufgesessen sind.
Doch nur kurze Zeit später lädt der Erfinder ein größeres Publikum zum Abendessen ein. Als die Gäste schon am Tisch sitzen, knallt es aus dem Arbeitszimmer des Erfinders und dieser kommt in einem erbärmlich ungesunden Zustand in das Wohnzimmer gehinkt. Stumm trinkt er etwas Wein und beantwortet keine Fragen - bis auf eine: Sind Sie mit der Zeitmaschine gereist?
Seine Antwort: Ja.

Samstag, 9. Juni 2012

Fred Vargas: Der verbotene Ort


17 Schuhe stehen vor dem Londoner Friedhof Highgate und begehren Einlass, ungewöhnlich nur, sie sind nicht leer, die Füße sind noch darin. In Paris geschieht ein paar Tage danach ebenfalls ein Mord:
„Wo ist die Leiche?“ Überall, Lieutenant, sagte Adamsberg, breitete die Arme aus und umschrieb mit einer Bewegung den ganzen Raum, Zerstückelt, zerrieben, verstreut. Wo man auch hinschaut, sieht man den Körper. Und wenn man alles zusammen betrachtet, sieht man ihn nicht mehr. Es gibt hier nur ihn, und gleichzeitig ist er nicht da.“
Fred Vargas, geboren 1957 in Paris, mit bürgerlichem Namen Frédérique Audoin-Rouzeau, Historikerin und Schriftstellerin, schreibt surreale, mit Preisen überhäufte Krimis, wie diesen, den achten um die Figur Kommissar Jean Baptiste Adamsberg.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Philip Roth: Der menschliche Makel


„Seit frühester Kindheit hatte er sich nichts anderes gewünscht, als frei zu sein: nicht schwarz, nicht weiß, sondern einfach frei und er selbst. […] Das Ziel war, sein Schicksal nicht von den dummen, hasserfüllten Absichten einer feindseligen Welt bestimmen zu lassen, sondern, soweit menschenmöglich, durch seinen eigenen Willen.“ Philip Roth Der menschliche Makel
Soweit zum Traum, zum Wunsch, zur Vorstellung einer makellosen Welt aber die Natur des Menschen lässt Freiheit dieser Art nicht zu. Niemand ist ohne Makel, denn was dieser ist, bestimmt die Masse, die Umgebung, bestimmen die Anderen und legt man die alten Zeichen ab, bekommt man Neue angesteckt.

Montag, 4. Juni 2012

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Allein bei dem Titel hat der Autor schon alles richtig gemacht. Der klingt verrückt und weckt sofort Interesse. Vom Titel habe ich mich deshalb sofort anfixen lassen und kurzes Reinlesen zeigte, dass das Versprechen auf eine humorvolle Unterhaltungsgeschichte eingelöst werden könnte. 
In einem Altenheim treffen wir auf Allan Karlsson, der genau an diesem Tag hundert Jahre alt wird.
In einer knappen Stunde sollte die Geburtstagsfeier im Gemeinschaftsraum losgehen. Sogar der Stadtrat wollte anrücken. Und die Lokalpresse. Und die ganzen anderen Alten. Und das komplette Personal, allen voran Schwester Alice, die alte Giftspritze.
Nur die Hauptperson hatte nicht vor, zu dieser Feier aufzutauchen.

Dienstag, 22. Mai 2012

Arthur C. Clarke: 2001 - Odyssee im Weltraum

Inspiriert wurde der Roman von einer Kurzgeschichte namens “Der Wächter” von Arthur C. Clarke. Dessen Handlung lässt sich ganz kurz zusammenfassen: Ein Astronaut entdeckt bei einer Mission auf dem Mond ein seltsames Artefakt. Es sieht aus wie eine perfekte kleine Pyramide, die fest im Boden verankert ist. Er versucht, sich der Pyramide zu nähern, aber eine unsichtbare Kraft drückt sich ihm entgegen. Es scheint, als würde ein Bannkreis darum liegen und es vor Zerstörung beschützen.
Schlagartig wird dem Astronauten klar, welch großartige Macht diese Pyramide erschaffen und auf dem Mond platziert haben muss. Diese Macht muss zu hochentwickelten Wesen gehören, die den Menschen weit übersteigen. Der Verwüstung in der näheren Umgebung nach zu urteilen, haben diese Wesen ihr Artefakt schon vor Tausenden Jahren hier angebracht. Aber wozu?
Vielleicht, um zu herauszufinden, wie lange es dauert, bis die damaligen Affenwesen auf dem Planeten Erde auf dem Mond landen und dieses Artefakt finden würden. Bis dahin sollte der einsame Wächter hier warten und wenn der Augenblick dann gekommen sein würde, sollte er seine Erschaffer benachrichtigen. Es würde nun nicht mehr lange dauern, bis diese hier eintreffen werden.

Freitag, 18. Mai 2012

Nicholson Baker: Vox


Nicholson Baker, der hier schon einmal Thema war, rauscht nun mit dieser Novelle über Telefonsex erneut in den Blog. Vox, lateinisch für „Stimme“, ist noch etwas älter als die Fermate, stammt aus dem Jahr 1992 und besteht aus einem 188 Seiten langen, am Telefon geführten Dialog zwischen einem Mann und einer Frau über Intimität, Masturbation, Sex und Phantasien rund um diese Themen. Ein durchaus gewagter Ansatz, der aber zumindest insofern gelungen ist, als das er als literarischer Durchbruch des Autors gilt.


Samstag, 12. Mai 2012

Max Goldt: Ä (Kolumnen)

Diese Rezension möchte ich beginnen mit einem Zitat. Allerdings einem, das nicht diesem Buch entstammt, sondern unserem fleißigen Rezensenten Steffen. Das Zitat von ihm bezieht sich aber auf Max Goldt (wobei genauer gesagt auf ein anderes seiner Bücher, nicht auf dieses, aber in dem Fall lässt sich das übertragen und tut nebenbei bemerkt auch gar nichts zur Sache). Das Zitat lautet:
“Du möchtest die besten Textstellen von Max Goldt zitieren? Dann hast Du ein 180 Seiten langes Zitat, viel Spaß beim Abtippen.”